Geologie der Vulkanregion Vogelsberg

Der Vogelsberg – im Herzen Hessens – ist mit einer Fläche von etwa 2500 km² und einem Durchmesser von ca. 65 km der größte Vulkankomplex in Mitteleuropa. Isolierte Basaltvorkommen im näheren Umfeld des Vogelsberges deuten auf eine deutlich größere Ausdehnung der Basaltbedeckung hin, welche sogar bis nach Frankfurt am Main reichen.

Mit einer Höhe von 773 m (NHN) stellt der Taufstein die höchste Erhebung dar. Heute bildet der Vogelsberg eine Landschaft, die durch sanfte Berge und weite Ebenen gekennzeichnet ist. Vom Hohen Vogelsberg breiten sich in alle Richtungen Täler und Flüsse aus.

Wo befindet sich der Vogelsberg?

Der Vogelsberg gehört mit Teilen der Rhön und dem Knüll zum Osthessischen Bergland. Er liegt im Hessischen Bruchschollen-Tafelland, welches durch tektonische Störungen, Gräben und Horste gekennzeichnet ist.  

Begrenzt wird der Vogelsberg im Westen durch das Lahntal und Giessener Becken, im Norden durch die Oberhessische Schwelle und im Osten durch Fliede- und Fuldatal. Im Südosten und Süden besteht über den Hessischen Landrücken eine Verbindung zu Spessart und Rhön. Im Südwesten öffnen sich die Täler zur Wetterau.

Ein „Band von Vulkanen”

Der Vogelsberg ist Teil eines ganzen Bandes von vulkanischen Zentren (Siehe Abbildung), das sich von Osten (z. B. Egergraben) bis nach Westen (z. B. Eifel) erstrecken. Diese Bereiche waren zu unterschiedlichen Zeiten während des geologischen Zeitabschnitts des Känozoikums (Erdneuzeit) aktiv. Weiterlesen

Das Besondere am Vogelsberger Vulkanismus ist seine Vielfältigkeit: Aktivität in mehreren Phasen mit zwischengelagerten Pausen, unterschiedliche Ausbruchsorte und Ausbruchsarten, und verschiedene Schmelzen. Hinzu kommt die Tatsache, dass der Vogelsberg im Zentralbereich stark eingesenkt ist, was seine relativ flache Erscheinung begründet.


Der innere Aufbau des Vogelsberges

Der Vogelsberg – Nicht nur Basalt!

Die innere Struktur des Vogelsberges besteht im Wesentlichen aus einer Wechselfolge von Gesteinseinheiten, die vor allem das Grund- und Sickerwasser der Region beeinflussen.

Basalt und Tuff

Basalt und Tuff (verfestigte vulkanische Asche) bauen in abwechselnden Schichten den Vogelsberg auf. Der klüftige Basalt sorgt für einen guten Grundwassertransport. Vor allem die Tuffschichten sind schlechte Grundwasserleiter, sodass es hier zum „Stau” des Wassers kommt. 

Der Wechsel von unterschiedlich durchlässigen Gesteinsschichten führt zu einer Grundwasserstockwerksgliederung: 1) die Oberwaldzone, 2) die Zone der Schwebenden Grundwasserstockwerke und 3) die Zone der Durchgehenden Grundwassersättigung. Weiterlesen

Versickerndes Wasser trifft auf Gesteinsschichten, die eine Versickerung in unterlagernde Schichten zulassen (Grundwasserleiter), die eine Versickerung verzögern (Grundwassergeringleiter) oder das Wasser vollständig stauen (Grundwassernichtleiter).

Während die Basis des Vogelsberges komplett mit Grundwasser gesättigt ist und eines der größten Trinkwasserreservoire Hessens darstellt, sorgen die schwebenden Grundwasser-Stockwerke für viele Quellen rund um den Vogelsberg, die seinen Wasserreichtum charakterisieren. Darum dient der Vogelsberg seit etwa 150 Jahren der überregionalen Wasserversorgung, vor allem des Rhein-Main Gebietes, welcher der Hauptabnehmer des Wassers aus dem Vogelsberg ist. 

Basalt und Tuff (verfestigte vulkanische Asche) bauen in abwechselnden Schichten den Vogelsberg auf. Wesentliche Erkenntnisse hierzu wurden 2007 durch eine etwa 300 Meter tiefe Bohrung in Sichenhausen-Eschwald gewonnen.

Geoelektrik und Magnetotellurik im Vogelsberg

Details der Bohrung in Sichenhasuen. Quelle: Goethe-Universität Frankfurt (Link: user.uni-frankfurt.de/~ajunge/web/forschung/proj2/)

Forschungsbericht HLUG 2008

Den Geheimnissen des größten mitteleuropäischen Vulkangebietes auf der Spur. Ein interdisziplinäres geowissenschaftliches Forschungsprojekt im Hohen Vogelsberg. Kracht, M. & Nesbor, H.-D. (2008). Hessisches Landesamt für Umwelt und Geologie. Wiesbaden.


Literatur

  • Ehrenberg, K.-H. & Hickethier, H. (1985). Die Basaltbasis im Vogelsberg. Schollenbau und Hinweise zur Entwicklung der vulkanischen Abfolge. Geol. Jb. Hessen (113), 97–135.
  • Francis P. & Oppenheimer, C. (2004). Volcanoes. Oxford University Press. New York.
  • Leßmann, B., Scharpff, H.-J., Wedel, A., Wiegand, K. (2000). Grundwasser im Vogelsberg. Hessisches Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Forsten; Hessisches Landesamt für Umwelt und Geologie (Hrsgg.). Wiesbaden.
  • Leßmann, B., Wiegand, K. und Scharpff, H.-J. (2001). Die Hydrogeologie des vulkanischen Vogelsberges. Geologische Abhandlungen Hessen, Bd. 108, Wiesbaden.
  • Nesbor, H.-D. (2014). Der Vogelsberg – Vulkanologische und petrologische Entwiklung eines großen miozänen Intraplatten-Vulkagebietes in Mitteleuropa. In H.-G. Röhling (Hrsg.), GeoFrankfurt 2014 Dynamik des Systems Erde / Earth System Dynamis. Exkursionsführer und Veröffentlichungen er Deutschen Gesellschaft für Geowisenschafte. (Vol. 252). S. 22–39. Hannover.
  • Reischmann, T. & Schraft, A. (2009). Der Vogelsberg: Geotope im größten Vulkangebiet Mitteleuropas. Hessisches Landesamt für Umwelt und Geologie. Wiesbaden.
  • Röhr, C. (2007). Der Oberrheingraben. http://oberrheingraben.de/index.htm. Zugriff: 03.06.2015, 11:41 Uhr MEZ.