Hydrogeologische Zonen im Vogelsberg

Wasserreicher Vogelsberg
Wasserreicher Vogelsberg

Die Hydrogeologie des Vogelsberges ist durch seine geographische Mittelgebirgslage und den geologischen Aufbau bestimmt.

Klimatisch befindet sich der Vogelsberg in der Westwindzone. Die vom Atlantik kommende feuchtwarme Seeluft wird am steilen Anstieg der Westseite des Vogelsberges durch Steigungsregen abgeregnet. Das führt im Hohen Vogelsberg zu ergiebigen Niederschlägen von etwa 1200 Millimeter pro Quadratmeter und Jahr. Der Abtransport der Niederschläge erfolgt durch Bäche und Flüsse, die radialstrahlig bzw. kreisförmig um den Vogelsberg angeordnet sind. Wichtige Flüsse sind z. B. die Nidda, die Ohm und die Schwalm.

Der Vogelsberg – Nicht nur Basalt!

Die innere Struktur des Vogelsberges besteht im Wesentlichen aus einer Wechselfolge von Gesteinseinheiten, die vor allem das Grund- und Sickerwasser der Region beeinflussen.

Basalt und Tuff

Der Vogelsberg besteht nur zum Teil aus Basalt. Der andere Teil ist das Ergebnis explosiven Vulkanismus. Die im Magma enthaltenen Gase dehnten sich beim Aufstieg zur Erdoberfläche aus, wodurch die flüssige Gesteinsschmelze in unterschiedlich große Bruchstücke zerrissen wurde. Dabei entstanden pyroklastische Ablagerungen (Tephra) aus vulkanischer Asche, Lapilli und Bomben. Diese Ablagerungen wurden zum Teil verfestigt und können noch heute im Vogelsberg besucht werden. Schlackenkegel sind hierfür typische vulkanische Gebilde.

Basalt und Tuff (i. W. verfestigte vulkanische Asche) bauen in abwechselnden Schichten den Vogelsberg auf. Der klüftige Basalt sorgt für einen guten Grundwassertransport. Vor allem die Tuffschichten sind schlechte Grundwasserleiter, sodass es hier zum „Stau” des Wassers kommt. 

Da es zwischen den vulkanisch aktiven Phasen auch längere Unterbrechungen gab, konnte hier der basaltische Untergrund unter warm/feuchten Klimabedingungen verwittern, sodass es zur Bodenbildung kam. Die dabei entstandenen Tonminerale reicherten sich in diesem Boden an. Tonhaltige Böden sind ebenfalls schlechte Grundwasserleiter.  

Der Wechsel von unterschiedlich durchlässigen Gesteinsschichten führt zu einer Grundwasserstockwerksgliederung: 1) die Oberwaldzone, 2) die Zone der Schwebenden Grundwasserstockwerke und 3) die Zone der Durchgehenden Grundwassersättigung.

Versickerndes Wasser trifft auf Gesteinsschichten, die eine Versickerung in unterlagernde Schichten zulassen (Grundwasserleiter), die eine Versickerung verzögern (Grundwassergeringleiter) oder das Wasser vollständig stauen (Grundwassernichtleiter).

Während die Basis des Vogelsberges komplett mit Grundwasser gesättigt ist und eines der größten Trinkwasserreservoire Hessens darstellt, sorgen die schwebenden Grundwasser-Stockwerke für viele Quellen rund um den Vogelsberg, die seinen Wasserreichtum charakterisieren. Darum dient der Vogelsberg seit etwa 150 Jahren der überregionalen Wasserversorgung, vor allem des Rhein-Main Gebietes, welcher der Hauptabnehmer des Wassers aus dem Vogelsberg ist. 

Hydrogeologie des Vogelsberges
Download Hydrogeologie des Vogelsberges (HLUG)
Hydrogeologie des Vogelsberges II
Download Hydrogeologie des Vogelsberges II

Schnitt durch den Vogelsberg

Hydrogeologische Zonen im Vogelsberg (Verändert nach Leßmann et al. 2000).
Hydrogeologische Zonen im Vogelsberg (Verändert nach Leßmann et al. 2000).

Die hydrogeologische Zone der Durchgehenden Grundwassersättigung ist wie die Zone der Schwebenden Grundwasserstockwerke in unterschiedlich durchlässige Gesteinsschichten untergliedert. Bohrungen in der tiefsten hydrogeologischen Zone zeigen, dass immer wieder hydraulisch eigenständige Grundwasserstockwerke angetroffen werden.

 

 


Literatur

  • Leßmann, B., Scharpff, H.-J., Wedel, A., Wiegand, K. (2000). Grundwasser im Vogelsberg. Hessisches Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Forsten; Hessisches Landesamt für Umwelt und Geologie (Hrsgg.). Wiesbaden.
  • Leßmann, B., Wiegand, K. und Scharpff, H.-J. (2001). Die Hydrogeologie des vulkanischen Vogelsberges. Geologische Abhandlungen Hessen, Bd. 108, Wiesbaden.