Geotop Schlossberg Ulrichstein

Die Kräfte der Verwitterung haben den ehemaligen vulkanischen Förderschlot des Schlossberges in Ulrichstein herauspräpariert.

Die Kraft der Erde

Vor etwa 15 Millionen Jahren durchschlug hier glutflüssiges Magma ältere Gesteinsschichten, sodass sich ein vulkanischer Förderschlot bildete. Neben Lava wurden auch vulkanische Fallablagerungen (Tephra), wie Asche und Lapilli an die Erdoberfläche gebracht. Der einstige Vulkan hatte auch explosive Phasen – das belegen einige Gesteine (Schlotbrekzie) der Gegend. Das sind zumeist ältere Gesteinsbrocken, welche durch die Explosion zerrissen oder zertrümmert werden.

Der Schlossberg in Ulrichstein steht in Verbindung mit anderen Durchbrüchen der näheren Umgebung, die entlang einer Nord-Süd Störung (Brüche und Verwerfungen der Erdkruste) liegen, wobei dieser der größte ist (Gackerstein, Bilstein). In der zweiten Vulkanischen Phase im Vogelsberg wurden Magmen gefördert, die relativ arm an Kieselsäure (SiO2) waren, welche als basanitisch bezeichnet wird.

Das Besondere des Schlossberges

Auf dem Schlossberg befindet sich ein Brunnenbereich, dessen Wasserpegel ganzjährig stabil ist und nur minimalen Schwankungen unterworfen ist. Die Vertiefung wurde zwar durch menschliches Eingreifen geschaffen, doch das Wasservorkommen ist natürlichen Ursprungs.

Woher kommt das Wasser?

Eine Möglichkeit stellt versickerndes Oberflächenwasser dar. Da jedoch auch in Zeiten längerer Trockenheit oder bei verstärktem Regenfall der Wasserpegel relativ gleich bleibt, erscheint dies unwahrscheinlich. Zudem führten Pumpversuche der örtlichen Feuerwehr zur Erkenntnis, dass sich der Wasserpegel auch durch stärkeres Abpumpen nicht ändert, was einen stetigen und relativ starken Nachfluss des Wassers voraussetzt.

Vermutlich wird diese Wasserstelle durch eine unterirdische Verbindung einer Quelle sichergestellt, die sich auf gleichem Niveau befindet wie der Schlossberg. Dies würde zumindest die Beobachtung erklären. Das Prinzip der kommunizierenden Röhren (Hydrostatisches Paradoxon) könnte hier also die Antwort liefern. Dabei sind mindestens zwei Gefäße (hier also der Brunnen) in Verbindung. Da die Schwerkraft und der Luftdruck als konstant angenommen werden kann, wird eine Flüssigkeit in beiden Gefäßen das gleiche Niveau haben.

Wo sich das zweite „Gefäß“ – also die Quelle – befindet, konnte bisher nicht geklärt werden. Ähnlich hoch gelegene Bereiche existieren rund um Ulrichstein, wie etwa der Hauberg (618 m NHN) oder Eckmannshain (622 m NHN).

Eine Geotop-Informationstafel befindet sich vor Ort.

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Die Lage, die Erreichbarkeit und die Begehbarkeit

Der Schlossberg in Ulrichstein erhebt sich am westlichen Stadtrand. Unter anderem führt die Weitblicktour Ulrichstein über den Schlossberg.

  • GPS N 50°34'34.0'' E 9°11'24.9''
  • UTM 32 U 513471/5602707

Fotos: Susanne Jost, Ulrichstein.


Literatur

  • Ehrenberg, K.-H. & Hickethier, H. (1985). Die Basaltbasis im Vogelsberg. Schollenbau und Hinweise zur Entwicklung der vulkanischen Abfolge. Geol. Jb. Hessen (113), 97–135.
  • Reischmann, T. & Schraft, A. (2009). Der Vogelsberg: Geotope im größten Vulkangebiet Mitteleuropas. Hessisches Landesamt für Umwelt und Geologie. Wiesbaden.