Andesit - Gestein des Jahres 2020


Für den einen oder anderen vielleicht unbekannt, nicht aber für die regelmäßigen „Minecraft“-Spieler. In dem derzeit weltweit meistverkauften Spiel bauen Nutzer Rohstoffe ab, um Bauwerke und Werkzeuge herzustellen, u.a. mit dem Gestein des Jahres 2020.

Erstmals vom deutschen Geologen Christian Leopold Freiherr von Buch (1774-1853) beschrieben, war der Fundort des Gesteins in der Anden-Gebirgskette in Südamerika namensgebend für den Andesit. Eine alternative, etwas seltenere Bezeichnung des Gesteins ist Islandit – benannt nach den Vorkommen des Gesteins auf der nordeuropäischen Insel Island. Auch der Begriff Porphyrit wurde bis ins letzte Jahrhundert als Synonym für ein vulkanisches Gestein meist andesitischer Zusammensetzung genutzt.

Das nicht nur virtuell häufig vorkommende vulkanische Gestein prägt durch relativ zähflüssige Magmen den eher explosiven Vulkanismus an Erdplattengrenzen. Dadurch entstehen Gebirgsketten, wie z.B. die Anden, oder Inselbögen (wie z.B. Japan oder die Philippinen). Es bilden sich u.a. Schicht- und Stratovulkane – schön, aber gefährlich. Das Gestein spielt somit für den „Ring of Fire“ entlang der Plattengrenzen um den Pazifik eine sehr entscheidende Rolle und ist vor Ort weit verbreitet.

Das ca. 57-63 Gewichtsprozent aus SiO2 bestehende intermediäre Vulkanit weist oftmals ein porphyrisches Gefüge mit einer feinkristallinen Grundmasse auf. Faszinierend sind die extensiven Hohlraumfüllungen, die mit z.B. Zeolith versehen sein können. Das magmatische Gestein extrusiver Herkunft findet man als erstarrtes Gestein an oder in der Nähe der Oberfläche von Lavaströmen, Lavadomen oder Gängen.

Internationale Beispiele für andesitische Laven produzierende Vulkane sind der Merapi auf Java, der Fuji in Japan oder die Hekla auf Island.

Auf nationaler Ebene findet man ein ebenso weit verbreitetes Vorkommen in den Rotliegendablagerungen Saar-Nahe-Senke in Rheinland-Pfalz, Eifel, Vorerzgebirgssenke (Sachsen und Thüringen), bei Neustadt am Rennsteig (Thüringen), NW-Sachsen, Döhlen-Senke (Sachsen), Hunsrück, Thüringer Wald, Halle, und Flechtinger Höhenzug (Sachsen-Anhalt).

Das fein- bis mittelkörnige, dunkle Gestein ist in Deutschland ein Massenrohstoff. Aufgrund seiner Härte und Zähigkeit bei außerordentlicher Witterungsresistenz ist das Gestein wichtig für viele Bereiche der Bauindustrie, den Straßen- und Wegebau sowie die Beton- und Asphaltherstellung.

Für Wand- und Bodenbeläge, Statuen und Denkmäler nutzte man lange Zeit die „schönen“ Andesite. In repräsentativen Gebäuden, wie der Westminster Cathedral in London ist Andesit im Mosaikfußboden verarbeitet.

Heutzutage wird Andesit fast ausschließlich im Bauwesen genutzt und dort zu Brechprodukten verarbeitet, z.B. Gleisschotter, Schotter für Straßen, Wasserbausteine und Edelsplitte. Derzeit sind 17 Andesit-Steinbrüche in Deutschland in Betrieb, in denen durch Reihensprengungen das Gestein abgebaut wird.

Ein regionales Fallbeispiel für Andesit-Vorkommen ist das Wildfrauhaus bei Ulrichstein-Wohnfeld (R: 35 09 550, H: 56 03 555, siehe auch Geotope-Flyer Ulrichstein) – bei der Felsklippe aus tholeiitischem Andesit wird angenommen, dass diese den Kelten als eine Art Opferplatz gedient haben soll.

Die Felsformationen auf einer Hügelkuppe ragen bis etwa 8 m aus der Umgebung hervor, das hellgraue Gestein ist an der Oberfläche aufgrund von Verwitterung hell-bräunlich und dadurch bereits auffällig im Vergleich zum meist dunkelgrau-schwarzen Vulkaniten im Vogelsberg.

Der basaltische Andesit (Schottler 1924: saure Trapp-Basalte) ist in den Basanit als Gang intrudiert, die insgesamt drei Felsformationen legen nahe, dass der Gang entlang einer ca. Nord-Süd gerichteten Spalte aufstieg. So ist die Lokalität mit einem gut aufgeschlossenen tholeiitischen Gang eine Besonderheit.

Das komplett auskristallisierte Gestein ist an dem Standort als Rest einer Schmelze zu verstehen, es besteht überwiegend aus intermediären Feldspäten (Plagioklase), sowie Ortho- und Klinopyroxen, Erz, Olivin, Quarz, Amphibol sowie Biotit.


Quellen:

Berufsverband Deutscher Geowissenschaftler e.V.

Hessisches Landesamt für Umwelt und Geologie (2009): Der Vogelsberg - Geotope im größten Vulkangebiet Mitteleuropas. Wiesbaden.

Lapp, M. und P. Müller: Andesit - Gestein des Jahres 2020, in GMIT (2019), Nr. 78, S. 30-31.