Wattboden - Boden des Jahres 2020

Ebenfalls jährlich wechselt die Schirmherrschaft des Weltbodentages zwischen den Bundesländern, dieses Jahr übernimmt die Freie und Hansestadt Hamburg, die in der Landesvertretung in Berlin den Wattboden vorstellt. Wichtig ist es Böden und deren Funktion im Naturhaushalt darzustellen und so an die Menschen heranzutreten, um einen nachhaltigen Umgang und somit Schutz der für uns natürlich und lebenswichtigen Ressource zu erreichen. Merkmale, Entstehung, Bedeutung für den Menschen, Gefährdung, Vorkommen – das alles sind Aspekte, die beleuchtet werden sollen.

Wattböden findet man auf allen Kontinenten und in allen Klimazonen. In der internationalen Bodenklassifikation werden die Wattböden zu den Tidalic Gleysols gezählt. Sie sind nicht nur an Küsten vertreten, sondern auch im Flusswatt. Die geologisch jungen Böden verändern sich konstant, es können je nach Strömung und Sedimentationsvorgang Schlickwatte oder feste Sandwatte (mit den typischen Rippelmarken) entstehen.

In den Watten der Meeresküsten kommen bis zu ca. 35 Gramm Salze pro Liter Bodenwasser vor. Dadurch erscheint der Boden als eher lebensfeindlich. Das Watt ist jedoch sehr arten- und formreich, es bietet einer Vielzahl von Arten einen Lebensraum - seien es Seehunde und Robben, Watt- und Rastvögel bis zu den kleinsten im Watt – dem Wattwurm, der Herzmuschel, dem Sandfloh, den Miesmuscheln oder der Wattschnecke.

Aufgrund der periodischen Überflutungen, Sedimentumlagerungen sowie Wellenbelastungen präsentiert sich der Boden des Jahres als Vorrangfläche für den Natur- und Artenschutz. Bei jeder Flut lagert sich mineralisches Material (Sand, Schluff und Ton) sowie organisches Material (Plankton, einzellige Algen, Pflanzen- und Tierreste) ab. Wattböden sind Schwellenböden, die Unterwasserböden der Meere sowie die Landböden miteinander verbinden. Sie sind dadurch Mittler zwischen der anoxischen und oxischen Lebenswelt, die unterschiedlichen Organismengruppen an diesem Lebensort überleben hohe Ansprüche. Als Grenzbereich zwischen Land und Wasser findet man hier demnach viele seltene und häufig stark spezialisierte Pflanzen und Tiere. So agiert das Watt als eine ökologische Nische.

Ein Wattboden entwickelt sich zu Rohmarschen, wenn im Grenzgebiet zwischen Meer- und Landböden (Verlandungszone) nach und nach immer dichter werdende Pflanzen wie der Aufrechte Queller oder das Schlickgras wachsen. Diese Bestände agieren als Sedimentationsfallen für Meeressedimente, welche während der Flut angeschwemmt und als Schlickwatt abgelagert werden. Nach und nach wächst der Bereich aus der täglichen Überflutung heraus, es siedeln sich weitere salzwassertolerante Pflanzenarten wie Strandaster, Strandflieder und Andelgras an. Es entsteht ein Rohmarschboden.

Das größte zusammenhängende Wattgebiet befindet sich an der südlichen Nordseeküste (ca. 3.500 km²). Aufgrund vielseitiger Belastungen wie Verschmutzungen, hohe Nährstoffeinträge, Ölteppiche, intensiver Fremdenverkehr wird das sensible Ökosystem zunehmend gestört. Ein wichtiger Schritt war die Ausschreibung eines UNESCO-Welterbe-Gebietes. Hier haben sich die Länder Deutschland, Dänemark und Niederlande dem Schutz, der Entwicklung und Naturbildung verschrieben. Dazu kommt die Einrichtung von vielseitigen Naturschutzgebieten und Watten-Nationalparke um den Lebensraum Watt als sensiblen Standort zu schützen und eine behutsame Nutzung zu gewährleisten.