Kieselgur bei Herbstein-Steinfurt

dass der weltweit erste Abbau von Kieselgur („Bergmehl“) im Vogelsberg erfolgte?

Heute unscheinbar hinter Bäumen und Büschen versteckt, liegt in der Gemarkung Katzenklos bei Herbstein – Steinfurt das ehemalige Bergwerk zum Abbau der umfangreichen Kieselgurvorkommen.

Derzeit befindet sich das Gelände in Privatbesitz und ist öffentlich nicht zugänglich. Ein einziges Relikt aus der Zeit des aktiven Abbaus ist ein baufälliger Schuppen außerhalb des Privatgeländes.

Kieselgur, auch Weißerde, Bergmehl, Diatomeenerde und Kieselmehl genannt, ist ein im trockenen Zustand weißliches, poröses und sehr leichtes Sediment, das aus den Gehäusen von Kieselalgen aufgebaut ist. Sie zählen zu den einzelligen Urpflanzen und sind seit der Trias, also dem Erdmittelalter vor ca. 250 Mio. Jahren, aufgetreten.

Die Entstehung der Lagerstätte ist vermutlich einem vulkanischen Maar zur Zeit des Vogelsbergvulkanismus zuzuordnen, in dem sich Regen-, Grund- und Quellwasser zu einem See sammelte und Kieselguralgen eingeschleppt wurden. Die tropischen bis subtropischen Bedingungen förderten das Algenwachstum erheblich. Etwa 100 Pflanzenarten, wie Blattabdrücke von Zimtbäumen, wurden in Steinfurt gefunden und sind im Hohhausmuseum in Lauterbach teilweise ausgestellt.

Bereits 1848 überprüfte man die Kieselgur vom Katzenklos auf seine Beschaffenheit und Verwertbarkeit. Mit dem Bau der Verbindungsstraße von Steinfurt nach Altenschlirf 1853 wurde die Lagerstätte angeschnitten und für abbauwürdig befunden. Ab dem Jahre 1855 erfolgte der Abbau in harter Handarbeit und gilt damit als weltweit erster Abbau von Kieselgur. Sie galt als die beste in ganz Deutschland. 1954 wurde die Anlage nach rund einhundert Jahren stillgelegt. Auf Grund ihrer vielfachen Verwendbarkeit war sie ein gefragter Grundstoff in der Chemieindustrie, so u. a. für Putzmittel, Kunstdünger, Filtermaterial und sogar als Trägermaterial für Nitroglyzerin, dem Dynamit von Erfinder Alfred Nobel, dessen Name noch heute die wichtigsten Preise in der Wissenschaft tragen. Aktuell existiert nur noch ein Kieselgurabbau in Deutschland bei Klieken in Sachsen-Anhalt, nachdem die Abbaustellen in der Lüneburger Heide unrentabel geworden waren.


Quellen

Auth, Rudolf; Die Kieselgurlagerstätte Steinfurt-Altenschlirf im Vogelsberg; Manuskript des Autors und Herausgebers, Hofbieber 2016

Buchenblätter, 2015/3-4, Fulda

www.fuldaerzeitung.de/e-beilagen/buchenblaetter

Photo (1) & (2): Susanne Jost (2017)

Photo (3): Wolfgang Schiller, Institut für Geowissenschaften Frankfurt